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zEN – zentralisierte  Einsatznachbearbeitung

Ausgangssituation und Projektmotivation

Viele Einzelsysteme, komplexe Organisationsstruktur, aufwändige Software-Rollouts und unterschiedliche Hardware-Plattformen

Für das Einsatzberichtswesen und die Stärkemeldung sowie die landesweite Statistik der Feuerwehren wurde in der Vergangenheit bayernweit einheitlich die ELDIS-Management-Suite (EMS) von eurofunk eingesetzt.
Hierfür wurde bisher in den 26 lntegrierten Leitstellen (ILS) sowie in der Feuerwehreinsatzzentrate München-Land (FEZ) jeweils eine eigene Instanz der EMS betrieben. Zusätzlich wurde an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried ­(SFS-G) ein EMS-System u. a. für die Ausbildung betrieben.
Um trotz dezentraler Technik quasi auf Knopfdruck eine landesweite Feuerwehr-Statistik erzeugen zu können, wurden Statistikdaten auszugsweise aus den 26 ILS und der FEZ über den EMS-Systemverbund in ein weiteres separates EMS-System an der SFSG – dem sogenannten Zentralstatistiksystem übertragen.
Zusätzlich wurden noch landesweit einheitliche Stammdaten wie zum Beispiel Kennzahlen an die lokalen EMS-Systeme zurück übermittelt.
Zur automatischen Übernahme von auszugsweisen Einsatzdaten aus dem eurofunk-Einsatzleitsystem ELDIS 3 BY in die EMS-Einsatznachbearbeitung wurde darüber hinaus in den 26 ILS und der FEZ eine Einsatzdatenübernahme-Schnittstelle betrieben.
Das Bayerische Staatsministerium für Inneres, Sport und Integration (StMI) stellte für alle diese EMS-Systeme zentral eine landesweit einheitliche Software-Lizenz zur Verfügung, die Verantwortlichkeit für den Betrieb dieser lokalen EMS-Systeme lag jedoch in der Zuständigkeit der jeweiligen Betreiber.

Diese technische und organisatorische dezentrale Struktur stellte sich in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen zunehmend als hinderlicher Faktor dar.
So musste nicht nur der Betrieb von 27 Systemen mit jeweils einem eigenen Systemverantwortlichen organisiert werden, auch ein Rollout von neuen Software-Versionen oder Patches war komplex und zeitaufwändig.
Im schlimmsten Fall waren unterschiedliche Software-Stände über einen längeren Zeitraum präsent.
Das StMI entschied als Lizenzinhaber daher 2018 in enger Abstimmung mit den Bedarfsträgern, die einzelnen EMS-Systeme in eine zentrale Plattform zusammenzuführen, welche technisch im Rechenzentrum des Freistaats Bayern (IT-Dienstleistungszentrum, kurz: IT-DLZ) gehostet und organisatorisch vom Lizenznehmer betrieben werden sollte.
Nach erfolgter Detailplanung durch das StMl in Zusammenarbeit mit eurofunk erteilte das StMl schlussendlich Ende 2019 den Auftrag zur Durchführung des Projektes Zentralisierte Einsatznachbearbeitung (zEN) an das IT-DLZ und eurofunk.

Die Lösung

Systemtopologie, Datenzusammenführung, Betrieb im IT-DLZ, neues Schnittstellen-Konzept (ORCA), Migration auf neue ­eurofunk-Management-Suite

Das Projekt erforderte nicht nur die Zusammenführung der Daten der dezentralen Systeme in einen konsolidierten, zentralen Datenstand.
Auch musste die zukünftig in der zEN zum Einsatz kommende eMS-Software auf die in der zEN zukünftig vorhandenen Datenmenge (ca. 20-fache Datenmenge einer bisherigen ILS) ausgelegt werden, sodass weiterhin ein performanter Systembetrieb gewährleistet wird.
Beispielhaft angeführt sind im System der zEN weit über 20.000 aktive Benutzer*innen bei rund 12.600 verschiedenen Einheiten und Institutionen verpflegt und knapp 3 Mio. Einsatzberichte erfasst, wofür in einzelnen relevanten Datenbank-Tabellen teilweise über 70 Mio. Einträge vorzuhalten sind.

Neben einer Vielzahl weiterer durch die Zentralisierung bedingter Anpassungen der Software wurde mit der Zentralisierung ebenfalls umfangreiche Softwareanpassungen, die über die Jahre zuvor ausgesetzt worden waren, in Angriff genommen.
Diese umfassen nicht nur zahlreiche Wünsche und Anregungen der Anwender*innen aus dem bisherigen Systembetrieb, sondern beinhalten ebenfalls eine neue, moderne Benutzeroberfläche. Auch die weitestgehende Umsetzung zur Erfüllung der Forderungen der Europäischen Union zu barrierefreier Informationstechnik und der DIN SPEC 91379 (Unterstützung umfangreicher Sonderzeichen) sowie die Erfüllung von IT-Sicherheitsanforderungen nach aktuellem Stand der Technik.

In der zEN sollte nicht nur der Anforderung eines zentralen Produktivsystems nachgekommen werden, sondern auch ein für alle Anwender*innen erreichbares Schulungssystem und ein Testsystem zur Erprobung oder Freigabe neuer Versionen etabliert werden.
Dazu wurde im System des IT-DLZ neben dem Produktivsystem ein dazu topologisch identisches Schulungs- sowie Testsystem aufgebaut.

Darüber hinaus musste auch die automatische Einsatzdaten-Übernahme aus den Einsatzleitsystemen in die (später zentrale) eMS-Einsatznachbearbeitung gewährleistet bleiben.
Hierfür wurde am System des IT-DLZ ein zentrales Webservice Operation Report Core Application (ORCA) geschaffen, an das die der Leitstellen ihre Einsatzdaten übertragen.
Dieses zentrale ORCA-Service ist zudem in der Lage, eintreffende Einsatzdaten zEN-intern individuell an das Produktiv-, Schulungs- und/oder Testsystem weiterzuleiten, ohne hierfür Anpassungen auf Absenderseite erforderlich zu machen.

Projektablauf

Projektphasen, Migrations-Ablauf, Herausforderungen, Erfolge

Aufgrund der Komplexität und des immensen Umfanges wurde das Projekt in drei Phasen eingeteilt:
Bereits mit Projektphase I wurde die Zentralisierung durchgeführt. Hierzu war die detaillierte Ausarbeitung einer „Choreografie“ erforderlich.
Im Zuge der Durchführung wurde zunächst Ende Oktober 2021 der bisherige EMS-Systemverbund deaktiviert, um auf Basis des bisherigen Datenstandes des Zentralstatistiksystems den zukünftigen Datenstand der zEN aufbauen zu können.
Anschließend wurden, abgestimmt mit Bedarfsträgern, die dezentralen Systeme außer Betrieb genommen, um alle dezentralen Datenstände im System der zEN zusammenführen zu können.
Dies konnte für alle Standorte bereits 2 Wochen später abgeschlossen und die zEN für einen Probebetrieb durch die Fachberater*innen-EDV (meist ehrenamtlich tätige Anwenderbetreuer*innen auf Kreisebene) in Betrieb genommen werden.
Zur Kommunikation zwischen StMl und eurofunk mit den Fachberater*innen-EDV (117 Personen) während des Probebetriebs wurde vonSTMI eurofunk eine Kommunikationsplattform – vergleichbar mit der von sozialen Medien – zur Verfügung gestellt. Diese wurde vom StMI und den Fachberater*innen-EDV, insbesondere zum Erfahrungsaustausch der EDV-Fachberater*innen untereinander, ausgiebig und erfolgreich genutzt.
Nach Abschluss des Probebetriebs und erfolgreicher Absolvierung eines Penetrationstests und Freigabe durch das Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (LSI) konnte die Durchführung der Zentralisierung mit Bestandsfunktionalitäten Ende November abgeschlossen werden.

Mit der daran anschließenden Projektphase II wurden in mehreren Teillieferungen die Software-Change-Requests für End­anwender*innen umgesetzt.
Mit der Projektphase III wird dieses anspruchsvolle Projekt Ende 2022 mit einem Webservice zur Einsatzberichtsergänzung ­abgerundet.

Wir möchten uns herzlich für die gute, übergreifende Zusammenarbeit bei allen Beteiligten bedanken und wünschen allen Nutzern viel Freude mit der neuen zEN!